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05. Oktober 2011 Bayh & Fingerle

Haftungsrecht

OLG Schleswig: Schadensersatz für Pferd nach gefährlichem Trabrennen

Das OLG Schleswig hat entschieden, dass der Eigentümer des bei einem Trabrennen verletzten und anschließend eingeschläferten Pferdes von einem Amateurfahrer Schadensersatz verlangen kann.Bei einem Trabrennen in Hamburg ging im Dezember 2008 neben dem Pferd Chaleska auf einer inneren Spur der Bahn (Startplatz Nummer 2) auch das Pferd Ca. auf dem äußeren Startplatz Nummer 6 ins Rennen. Ca. wurde von dem beklagten Amateurfahrer aus Schleswig-Holstein gelenkt. Dieser lenkte nach Beginn des Rennens sein Gespann von der äußeren Spur schräg über die anderen Spuren in Richtung der inneren Spur Nummer 1, auf der zwischenzeitlich das Pferd Chaleska trabte. Bei dem Wechsel auf die Spur Nummer 1 berührte der Amateurfahrer mit dem linken Rad seines Gespanns (Sulky) das rechte Vorderbein von Chaleska, wodurch diese verletzt wurde. Nach der anschließenden Operation in einer tierärztlichen Klinik kam es zu Komplikationen, so dass Chaleska eingeschläfert werden musste.Das OLG Schleswig hat dem Eigentümer des Pferdes Chaleska Recht gegeben.Bei gefährlichen Sportarten, insbesondere parallel ausgeführten Sportarten wie Auto- oder Trabrennen, begründe nicht jede Verletzung, jede Berührung oder jeder leichte Regelverstoß eine Pflicht des Sportlers, für den entstandenen Schaden aufzukommen. Die Sorgfaltspflichten müssten vielmehr im besonders schweren Maße verletzt sein (Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit). Nach Auffassung des Oberlandesgerichts ist das Verhalten des Trabrennfahrers nach Auswertung des von dem Rennen vorhandenen Videos als grob rücksichtslos zu bewerten: „Der Beklagte hat sich bei seinem Lenkmanöver nach innen von Beginn an bis zur Kollision mit Chaleska erkennbar nicht darum bemüht, die von innen fahrenden Gespanne in den Blick zu nehmen, um abschätzen zu können, ob er das von ihm beabsichtigte Fahrmanöver ohne Gefährdung dieser Gespanne würde durchführen können. Er hat nicht einmal den Kopf in Richtung der auf den Innenspuren fahrenden Gespanne bewegt, was nötig gewesen wäre, um ausschließen zu können, dass er die neben ihm fahrenden Gespanne durch sein Fahrmanöver nicht gefährdete. Er ist vielmehr ohne jegliche Rücksichtnahme auf diese Gespanne nach innen gefahren, ersichtlich getragen von der Erwägung, dass die anderen dafür zu sorgen hätten, nicht mit seinem Gespann zusammenzustoßen. Der Beklagte hat sich also aus eigensüchtigen Motiven rücksichtslos über die Belange der anderen hinweggesetzt.“Nach der Entscheidung hat der beklagte Amateurfahrer erst einmal nur für die Tierarztkosten in Höhe von mehr als 3.000 Euro und einen Betrag für Chaleska in Höhe von 4.000 Euro zu zahlen. Der Eigentümer von Chaleska hatte zunächst nur diese Beträge eingeklagt, um die Prozesskosten nicht in die Höhe zu treiben. Er gehe aber davon aus, dass Chaleska weitaus mehr wert wäre als 4.000 Euro.(Quelle: JURIS)

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