20. August 2009
Jurastudenten als Betrüger
Ausgerechnet drei Jurastudenten haben im großen Stil Internet-Nutzer abgezockt, indem sie sie auf Seiten lockten und ihnen dort teure Nutzungsverträge unterjubelten – das ergaunerte Geld steckten sie unter anderem in Luxuskarossen. Das Landgericht Göttingen verurteilte die angehenden Juristen am 17.08.2009 zu Bewährungsstrafen. Die beiden 26 Jahre alten Haupttäter aus Fulda und Hamburg erhielten wegen gewerbsmäßigen Betrugs im besonders schweren Fall 18 und 15 Monate Haft auf Bewährung. Ein 25-jähriger Göttinger wurde wegen Beihilfe zu sechs Monaten verurteilt. Die Angeklagten müssen zudem Geldbeträge bis zu 25.000 Euro an Opferhilfeeinrichtungen zahlen.Die Studenten hatten gestanden, ihre Opfer per E-Mail trickreich auf Internetseiten gelockt zu haben, auf denen diese dann unbemerkt kostenpflichtige Nutzerverträge abschlossen. Auf diese Weise erbeuteten sie mehr als 130.000 Euro. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist das Urteil bislang bundesweit beispiellos.Dass sie nicht für mehrere Jahre hinter Gitter müssen, hätten die Jurastudenten allein ihren Geständnissen zu verdanken, sagte der Vorsitzende Richter August-Wilhelm Marahrens in der Urteilsbegründung. Das Gericht honoriere, dass die Angeklagten der Wirtschaftsstrafkammer einen langwierigen Prozess erspart hätten. Die Richter folgten im Strafmaß weitgehend den Anträgen von Anklagevertretung und Verteidigung.Um an das Geld zu gelangen, hatten die Betrüger sich zunächst einen Datensatz mit 600.000 vollständigen Anschriften beschafft. Dann verschickten sie im großen Stil Mails, in denen Sie den Adressaten suggerierten, diese hätten Elektrogeräte gewonnen. Zudem könnten sie geheime Listen von Firmen einsehen, die kostengünstig auch an Privatpersonen Elektronik-Artikel verkauften, versprachen die Betrüger.Interessenten wurden dann auf eine Internetseite gelockt, auf der sie unbemerkt einen Nutzervertrag abschlossen. Die Opfer erhielten automatisch Rechnungen über jeweils 86 Euro. Davon oder spätestens von folgenden Mahnschreiben ließen sich so viele Internet-Nutzer einschüchtern, dass die Studenten etwa 132.000 Euro kassierten. Der 25 Jahre alte Gehilfe, der als eine Art Sekretär fungierte, leitete das Geld auf ein Konto in der Schweiz weiter, von dem sich die Haupttäter dann bedienten.